Während sich Deutschland mit stillgelegten Bahnhöfen beschäftigt, wurde am Wochenende die Bestandsaufnahme am Flughafen BER als abgeschlossen erklärt. Flughafensprecher Ralf Kunkel wollte sich am Sonnabend noch nicht über die genauen Ergebnisse äußern, da die Auswertung der verzeichneten Mängel noch bis Ende September laufe. Doch bereits einige Stunden später sickerten die ersten zahlen durch: Nach “BILD” Informationen sollen bei der Bestandsaufnahme des Flughafen BER insgesamt 66.500 Mängel festgestellt worden sein. Davon sollen 34000 genehmigungsrelevant und 3750 als kritisch gelten. Insider und Angestellte des Flughafen BER warnen aber vor Panikmache. Allein beim Nordpier seien beim ersten Durchgang 6500 Mängel verzeichnet worden. Diese Zahl halbierte sich dann bei der zweiten Anschauung. Grund dafür war, nach Aussagen von Beobachtern, veraltete Zuordnungspläne. Auch die übrig gebliebenen verzeichneten Mängel seien nicht überzubewerten, da sogar Risse in Fließen oder nicht funktionierende Lampen in diese Sparte geschrieben worden.

Zu einem der größten Problemen scheint nach wie vor der Brandschutz und die Entrauchung zu gehören. Besonders in der größten Teilanlage, Anlage 14, wurden erhebliche Mängel Festgestellt. Doch hier gibt es schon genaue Pläne, für die Berichtigung. ,,Wir arbeiten derzeit daran, wie die Anlage 14 in drei Teile geteilt und somit besser beherrschbar gemacht werden kann”, ließ der Sprecher des Flughafen BER verlauten.Wann der Flughafen BER schlussendlich in Betrieb genommen werden kann, ist noch offen. Auch wegen der zahlreichen internen Probleme. Bisher ist immer noch nicht geklärt, wer die Position an der Spitze des Aufsichtsrates besetzen wird. Nach Angaben des Magazin “Focus” sei der Bund für einen Wirtschaftsexperten an der Spitze. Namen wie Hans-Peter Keitel (früherer Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie), Tanja Wielgoß (Unternehmensberaterin) und Wilhelm Bender (früherer Chef des Frankfurter Flughafens), seien Wohl ganz oben auf der Kandidatenliste.

Zudem machen sich die Lager von Flughafen-Boss Hartmut Mehdorn und Technik-Chef Horst Amann gegenseitig Vorwürfe. Mehdorns Kommunikationsteam bezeichnet die Bestandsaufnahme der Mängel als Zeitverschwendung. Im Gegensatz dazu werfen Amann-Vertraute der Mehdorn-Truppe Realitätsverlust vor. Sie befürchten, dass sich das Drama um die Eröffnung des Flughafen BER mit dieser Sichtweise wiederholen wird.