Sie tragen Sturmhauben und grellbunte Kleider, geben spontane Konzerte auf an Metrostationen, auf Busdächern oder in Kathedralen- das ist die feminisitsche Punk-Rock-BandPussy Riot” aus Moskau. Seit eines Punk-Gebets in der Christ-Erlöser-Kathedrale macht diese lose Gruppierung aus nunmehr zehn jungen Frauen immer mehr Furore. In einem Land,wo Korruption weit verbreitet ist, äußern sie sich wiederholt regierungs- und kirchenkritisch, wobei sie weder Festnahmen noch Folter zu fürchten scheinen. Erst neulich erschien wieder ein neues Pussy-Riot-Video, in dem wieder einmal Präsident Putin scharf angegriffen wurde, diesmal aufgrund dessen Machenschaften in der russischen Öllobby. Lange Zeit war der russische Machthaber nahezu unangetastet. Die wenigen Rebellen, die sich kritisch gegenüber seinem Regierungsstil äußerten, wurden mit Nachdruck ruhig gestellt. Jetzt, da immer mehr Menschen Teil des Protestes werden und auch europäische Politiker der schwierigen Menschenrechtssituation in diesem größten Land der Erde immer mehr Augenmerk schenken, ist dies kaum mehr möglich. “Pussy Riot” sind das wohl bekannteste Beispiel hierfür. Als drei ihrer Mitgliederinnen nach dem berühmten Auftritt in der Christ-Erlöser-Kathedrale inhaftiert wurden,wo sie nach eigenen Angaben dagegen protestierten, dass der Patriarch der russisch-orthodoxen Kirche die Wiederwahl des Machthabers unterstütze, reagierten vor allem russische Bürger und deutsche Politiker kritisch.Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Beispiel betonte, „das unverhältnismäßig harte Urteil“ stehe nicht „im Einklang mit den europäischen Werten von Rechtsstaatlichkeit und Demokratie“.

Fest steht, dass Putin aufgrund seiner Unterdrückung der Pressefreiheit, der Duldung rassistischer und neofaschistischer Organisationen sowie mafiosen Machenschaften den Hass der 10 Bandmitgliederinnen, aber auch einiger weiterer Avantgardisten aus Russland, auf sich gezogen hat. Zu nennen wären da unter anderem Michail Fedotow, der Menschenrechtsexperte des Kremls. 70 Prozent der Bevölkerung hingegen befürworten die Inhaftierung wegen “Rowdytums aus religiösem Hass“, einer Begründung der Richterin Syrowa, die den eigentliche Kern des Auftrittes gänzlich verleugnet- nämlich die Kritik an Putin.
Fraglich bleibt allerdings wie dieser des weiteren vorgehen wird: wird er trotz des steigenden internationalen Drucks weiterhin seine Gegner in Straflager sperren lassen (Pussy-Riot, Nawalny…) oder wird er von nun an vermehrt andere Mittel der Unterdrückung suchen? Wird er weiterhin eine Politik der Einschüchterung, Verleumdung und Ausgrenzung seiner Konkurrenten führen, oder wird er versuchen, die zunehmende Anzahl an Protestanten durch vermeintliche Friedensangebote zu beschwichtigen- genauso wie er sich im Fall Snowden als eine Art Menschenrechtsaktivist darstellt? Der Präsident, so scheint es, ist unberechenbar. Auf einen baldigen Rückzug aus der Politik kann man jedenfalls nicht rechnen, obwohl er längst nicht mehr so unumstritten ist wie früher einmal.