Eines der bekanntesten Baudenkmale von Berlin steht möglicherweise vor dem Abriss: Das Internationale Congress Centrum (ICC) blickt einer ungewissen Zukunft entgegen. Das Gebäude, das zu den berühmtesten Kongresshäusern der Welt gehört, ist stark sanierungsbedürftig und hat ab 2014 keine Betriebsgenehmigung mehr. Obwohl die Messe Berlin und der Senat seit geraumer Zeit nach einem Investor für das Bauwerk suchen, konnten bislang keine Erfolge vermeldet werden. Bei der Suche nach Alternativen wird nun wohl innerhalb der Landesregierung auch der Abriss wieder ein Thema: Die SPD soll intern erneut einen Vorstoß unternommen haben, den Koalitionspartner CDU für diese Variante zu gewinnen.

In den vergangenen Jahren war ein Abriss des ikonischen Gebäudes wiederholt thematisiert worden. Als größtes Problem präsentierten sich dabei stets die damit einhergehenden Kosten, die sich das klamme Land Berlin kaum leisten kann. Eine Studie aus dem Jahr 2005 war noch zu dem Ergebnis gekommen, dass mit Kosten in Höhe von 30 Millionen Euro zu rechnen wäre. Im Jahr 2012 hatte Michael Müller (SPD), der Stadtentwicklungssenator von Berlin, dagegen bereits eine Schätzung von 180 Millionen Euro abgegeben. Noch höhere Zahlen werden allgemein nicht ausgeschlossen.

Abriss könnte sich über Jahre hinziehen

Ein weiteres Problem, das mit einem Abriss einhergehen würde, wäre die jahrelange Beeinträchtigung des Verkehrs im Umfeld des Knotenpunktes ICC. Das preisgekrönte Bauwerk im Westen von Berlin ist 320 Meter lang, 40 Meter hoch und 80 Meter breit und müsste wegen der problematischen Baumaterialien langsam abgetragen werden. Da der Unterbau weit über das eigentliche Gebäude hinausreicht, wären großflächige Straßensperrungen an einer der meistbefahrenen Verkehrsverbindungen von Berlin nötig, die nach den Befürchtungen der Anwohner zu einem jahrelangen Verkehrschaos führen könnten.

Ein Weiterbetrieb des ICC ohne einen Investor erscheint derzeit allerdings nicht möglich, sodass dem Gebäude eine Zukunft als Bauruine droht. Eine Sanierung würde Schätzungen zufolge mehr als 400 Millionen Euro kosten. Die bisherige Funktion des ICC übernimmt ab 2014 der neue Kongresspalast, der sich am ehemaligen Standort der Deutschlandhalle befindet. Auch die Verlängerung der Betriebserlaubnis würde sich schwierig gestalten: Wie der TÜV bekanntgab, kommt eine dauerhafte Genehmigung über das Jahresende hinaus nicht infrage. Die Zukunft des ICC hängt nun vom Landeshaushalt von Berlin ab, der im März kommenden Jahres beschlossen wird.